Ihre Gastgeber

Der erste Europäische Unitariertag – EUT wird gemeinsam von den
Unitariern – Religionsgemeinschaft freien Glaubens e.V. (URfG)
und den
European Unitarian Universalists (EUU)
veranstaltet.

Nachfolgend finden Sie Kurzportraits von URfG und EUU.

Über die EUU

Die European Unitarian Universalists (EUU), gegründet 1982, ist religiöse Gemeinschaft und religiöses Netzwerk. Sie verbindet Unitarian Universalists (UUs) and UU-Gemeinden in Europa. Etwa die Hälfte ihrer rund 200 Mitglieder gehört Gemeinden an, die von Laien geführt werden und Ressourcen und Programme gemeinsam nutzen.

Zu diesen Programmen gehört auch das Kinder- und Jugendkonzept der religiösen Erkundung (Religious Education kurz RE). Die übrigen Mitglieder, die sogenannten At-large-Mitglieder, verteilen sich auf fast ganz Europa, gehören dabei jedoch keiner bestimmten Gemeinde an.
Die EUU veröffentlicht regelmäßig ein Mitteilungsblatt, den „Unifier“, und veranstaltet halbjährliche Zusammenkünfte (Retreats) an wechselnde Orten. Die letzten Retreats in Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland wurden von jeweils bis zu 180 UUs aus ganz Europa besucht.

Die Mitglieder der EUU vereinbaren, folgende Werte und Grundsätze anzuerkennen und zu fördern:

  • Den angeborenen und von Natur gegebenen Wert und die Würde jedes Menschen,
  • Gerechtigkeit, Gleichheit und Mitgefühl in allen zwischenmenschlichen Beziehungen,
  • gegenseitige Anerkennung und Ermutigung zu spiritueller Weiterentwicklung innerhalb unserer Gemeinden,
  • eine freie und verantwortungsbewusste Suche nach Wahrheit und Sinnhaftigkeit,
  • das Recht auf Wahrhaftigkeit in Gewissensfragen und den Gebrauch von demokratischen Verfahren, das Ziel einer Weltgemeinschaft mit Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit für alle,
  • Achtung und Respekt vor dem Zusammenhang allen Seins.

Die gemeinsame Tradition beruht auf vielen Quellen. Diese sind:

  • Unmittelbare Erfahrungen mit den in allen Kulturen vorhandenen transzendentalen Mysterien, die uns zu geistiger Erneuerung und Offenheit für alle Leben spendenden und wahrenden Kräfte bewegen,
  • Worte und Taten prophetischer Frauen und Männer, die uns herausfordern, den Mächten und Strukturen des Bösen mit Gerechtigkeit, Mitgefühl und der transformierenden Macht der Liebe zu begegnen,
  • Weisheiten der Weltreligionen, die uns in unserem ethischen und spirituellen Leben inspirieren,
  • jüdische und christliche Lehren, die uns dazu aufrufen, die Liebe Gottes so zu erwidern, dass wir unseren Nachbarn lieben wie uns selbst,
  • humanistische Lehren, die uns raten, sich von Vernunft und Erkenntnissen der Wissenschaft leiten zu lassen und vor geistigem und spirituellem Götzendienst warnen,
  • spirituelle und herkömmliche Lehren und Traditionen, die Natur und Erde in den Mittelpunkt stellen, den unverbrüchlichen und heiligen Kreislauf des Lebens feiern und uns lehren, in Harmonie mit der Natur zu leben.

Über die URfG

Die Unitarier – Religionsgemeinschaft freien Glaubens hat ihren Ursprung im 19. Jahrhundert in der freiprotestantischen Bewegung im Rhein-Hessischen. Die Freiprotestanten lehnten sich auf gegen die Unterordnung unter die Kir­chenhoheit der damaligen Landesfürsten und gegen Dogmen und Gebräuche, die Vernunft und Frei­heit widersprachen. 1876 traten sie aus der hessischen Landeskirche aus und bildeten eigene Ge­meinden.

Schon früh vertraten sie ein Gottesbild, das mit der personalen und Welt-abgelösten kirchlichen Auffassung Gottes brach und beschrieben Gott als der Natur innewohnendes „All-Le­ben“. 1910 kam ihr Pfarrer Walbaum in Kontakt zu den Gedanken und Persönlichkeiten der angel­sächsischen Unitarier. In deren Ablehnung der Dreieinigkeitslehre sah er Ähnlichkeiten zur freipro­testantischen Lehre von der „All-Einheit“ Gottes und dessen Wirken im „sittlichen Streben des Menschen“. Er sah in den eigenen freiprotestantischen Auffassungen eine „Verdichtung“ der angel­sächsisch unita­rischen Lehren und definierte dies als „deutsch-unitarisch“.

Diese deutsch-unitari­sche Sonderstellung blieb lange bestehen bis in die jüngste Vergangenheit hin­ein. Zunächst führte sie in die Irre der Mitwirkung am nationalsozialistischen Gedankengut arisch germanischer Religio­sität und auch nach dem Krieg hat es noch Versuche gegeben, an solchem Gedankengut festzuhalten oder es wieder zu beleben. Der Widerstand dagegen kam gera­de aus den Mitgliederkreisen, die stärker den Kontakt zur internationalen unitarischen Bewegung suchten. Sie konnten sich schließ­lich durchsetzen. Auf der Hauptversammlung 2015 in Worms wurde endgültig beschlossen, sich nicht mehr als „Deutsche“ Unitarier von den internationalen Unitariern abzugren­zen. Der jetzt stattfindende Europäische Unitariertag besiegelt diese Einordnung demonstrativ.

Dennoch meinen wir, dass wir als Religionsgemeinschaft in diese Vereinigung noch etwas Eigenes einbringen können. Es ist dies der für uns prägende Gedanke der All-Einheit. Dass es für uns als einzelne Personen diese unfassbare Einheit gibt mit der Welt um uns her, mit unseren Mitmenschen, allem Le­ben, mit unserer Umwelt, der Erde, dem Kosmos und alledem als umfassend Ganzes, das ist für uns das „transzendente Geheimnis und Wunder, bekräf­tigt in allen Kulturen, das uns bewegt zu einer Erneuerung des Geistes und zur Offenheit gegenüber al­len Kräften, die Leben schaffen und erhalten“ (Formulierung der Unitarian Universalist Association). Das ist für uns das All-Eine, die „Unitas“, die uns verbindet. Und weil es heutzutage in unsrer wachsenden Vereinzelung so schwer ist noch Zeichen dieser Unitas wahrzunehmen, wollen wir eine Gemeinschaft bilden, die uns darin fördert und be­stärkt.

Wir sind in Deutschland nur noch eine kleine Religionsgemeinschaft mit wenigen Gemein­den und eher weit übers Land verstreuten Gläubigen. Das macht uns einige Schwierigkeiten und wir sind noch immer auf der Suche nach Lösungsmöglichkeiten. Aber unser Glaube an die Unitas ist davon nicht betroffen.

Jochen Sonn